Wer eine große, gar stetig wachsende Musiksammlung pflegt, kommt irgendwann (besser früher als später) nicht umhin, sich Gedanken über Werkzeuge, Strukturen und Konventionen zu machen. Was zunächst nach lästiger Verwaltungsarbeit klingt, wird mit der Zeit zur eigenen kleinen Wissenschaft – und für Pedanten manchmal zur Obsession. Hier ist mein modus operandi.
Als wichtigstes Werkzeug für die Metadatenpflege hat Mp3tag bewährt. Der Name täuscht: das Programm beherrscht praktisch alle gängigen Formate, ist in Konfigurierbarkeit und Vielseitigkeit kaum zu übertreffen und kann auch mit Tausenden von Dateien umgehen. Für das Rippen von CDs und die Konvertierung zwischen Formaten – wav zu flac, oder gelegentlich mp3 für das Auto – setze ich dBpoweramp ein, das in Sachen Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit seinesgleichen sucht (seinen Preis ist es wert). Eine Besonderheit von mir ist die Verwendung einer PlayStation 3 für das Rippen von SACDs – nach wie vor einer der pragmatischsten Wege, an das DSD-Material dieser Scheiben heranzukommen.
Zum Abhören während der Arbeit: foobar2000 unter Windows, DeaDBeeF unter Linux – minimalistisch, mit direktem ALSA-Zugriff ohne den Umweg über PulseAudio oder Pipewire, in der Philosophie foobar2000 nicht unähnlich. Für die Überprüfung von Dateien greife ich auf ältere Audacity-Versionen zurück – neuere haben sich in eine Richtung entwickelt, die mich nicht überzeugt.
Unter Windows 7 laufen noch einige weitere Werkzeuge, die ihren festen Platz haben. EAC – Exact Audio Copy – für das präzise Rippen von CDs, wo es auf maximale Fehlerkorrektur ankommt. Cuesplitter für den Fall, daß ein Album als eine einzige große Datei mit zugehörigem Cuesheet geliefert wird – er zerlegt sie sauber in Einzeltracks nach Vorgabe des Cuesheets. Audiotester zur Qualitätskontrolle: er prüft Audiodateien auf Integrität und wirft defekte hinaus, was bei größeren Sammlungen unverzichtbar ist. Und Saracon von Weiss Audio für höchst präzise Formatkonversionen – etwa von DSD/DSF nach wav oder flac – ein Werkzeug, das in dieser Disziplin seinesgleichen sucht; Korg für schnelle Umformatierung von DFF nach DSF.
Beim Tagging bin ich konsequent: jede Datei erhält ein eingebundenes Cover in 600×600 Pixeln. Pop, Rock, Blues und Jazz erhalten Tags für Künstler, Titel, Album und Jahr – wobei mich das Originalerscheinungsjahr interessiert, nicht das eines Remasters oder Reissues. Solche Informationen wandern in den Kommentar-Tag, ebenso wie die Quelle, wenn das Material von einem Streamingdienst wie Qobuz stammt. Bei hochauflösendem Material ergänze ich das Album-Tag um die entsprechende Information, etwa „24-96". Klassik folgt eigenen Regeln: hier kommen Komponist – mit vollem Namen und Lebensdaten –, Dirigent und Orchester hinzu. Probleme bereitet hier des öfteren die Schreibweise der Namen, vor allem russicher Komponisten. Viel zu oft für meinen Geschmack wird nach angelsächsischem Muster transkribiert, selten nach deutschen oder dem internationalen Standard. Da muß man manchemal recht mühselig arbeiten, wenn man Tschaikowski in einem Ordner versammeln will.
Die Ablage folgt einer festen Ordnerstruktur mit Hauptordnern nach Genre: Blues, Klassik, Pop/Rock, Jazz, World; darunter nach Künstler beziehungsweise Komponist, die Dateinamen nach dem Muster Tracknummer – Titel. Die Sammlung liegt auf zwei NAS-Systemen – einer Synology und einer UGreen –, die gegenseitig als Backup dienen, zusammen mit den SSDs des Aurender also dreifach. Auf diese SSDs werden ausschließlich FLAC- und DSF-Dateien übertragen, gesteuert von einem Robocopy-Batch-Skript unter Windows, das nur das relevante Format überträgt. Das greift im Source-Teil auf die Netzwerknamen der NAS-Ordner zu, verwendet im Target-Teil dann unter Windows zugeordnete Laufwerksbuchstaben.
Der Arbeitsrechner ist ein Intel-NUC 13 mit i7-CPU und 32 GB RAM von Asus, dazu ein 32-Zoll-Eizo-Monitor, Tastatur und Maus von Cherry. Für Windows-spezifische Programme steht ein separater Desktop mit Windows 7 bereit (alle spätren Versionen sind unmöglich zu bedienen). Der Schreibtisch ist bewußt spartanisch gehalten: ein Notizblock, ein Lamy-Füllfederhalter – mit augenschonend brauner Tinte – und ein Lamy-Kugelschreiber. Mehr braucht es nicht.