Der deutsche Markt für hochwertige Audiotechnik ist – bei allem Enthusiasmus, den es zweifellos gibt – in weiten Teilen erstaunlich schnäppchenorientiert. Kaufentscheidungen fallen selten allein aufgrund eigener Hörerfahrung; häufiger orientiert man sich an Bestenlisten und Testergebnissen der einschlägigen Publikationen. Audio, Stereoplay, Stereo – sie prägen das Bild, setzen die Referenzen, definieren den Konsens. Wer tiefer einsteigen will, findet in Fidelity oder Image HiFi ein anspruchsvolleres Publikum und differenziertere Texte. Aber auch dort bleibt der Preis ein zentrales Argument.
Was auffällt: der Wunsch nach Rabatt ist im HiFi-Handel so verbreitet wie kaum anderswo im Premiumsegment. Man geht zu einem Händler, läßt sich ausführlich beraten, hört womöglich stundenlang, wünscht Anlieferung und Aufbau und Einrichtung, sozusagen schlüsselfertig, und fragt am Ende nach Nachlaß. Bei einem Porsche-Händler käme kaum jemand auf die Idee, dreißig Prozent unter Listenpreis zu verhandeln – oder doch? Vielleicht weiß ich das schlicht nicht. Aber der Verdacht liegt nahe, daß hochwertige Audiotechnik trotz ihres Preises nicht denselben Status genießt wie ein Automobil, obwohl die handwerkliche Sorgfalt, die Materialqualität und der Entwicklungsaufwand hinter einer guten Phonostufe oder einem Musikserver dem eines Sportwagens in nichts nachstehen.
Hinzu kommt eine gewisse Markenskepsis gegenüber dem Unbekannten. Etablierten Namen vertraut man – nicht immer zu Recht –, während hervorragende Hersteller aus Polen, Griechenland oder Italien es schwerer haben, auch wenn ihre Produkte klanglich und handwerklich jeden Vergleich bestehen. Den eigenen Ohren allein zu vertrauen, unabhängig von Testurteil und Markenklang, ist eine Fähigkeit, die sich offenbar nur wenige zutrauen oder zugestehen wollen.
Vielleicht liegt es daran, daß man ein Auto sieht und eine Anlage nur hört. Und Hören – wirklich Hören – ist eben keine Selbstverständlichkeit. Ein Händler für Automobile der absoluten Spitzenklasse – Koenigsegg und Vergleichbares – brachte es einmal auf den Punkt: ‚Wenn ich wirklich gut Musik hören will, setze ich mich in mein Auto.' Dazu fällt mir – wie Karl Kraus in anderem Zusammenhang – nichts ein.