Gaunereien und Betrügereien - Die Fortsetzung.
Einige Monate später war ein Vollverstärker der Marke B. das Objekt der Begierde. Eine Gmail-Adresse mit einer kryptischen Buchstaben-/Zahlen-Kombination, ansonsten anonym, möchte mehr über das Gerät wissen. Meine Antwort: ich möchte mehr über ihn/sie wissen. „Danke für die Nachricht, ich brauche Fotos von oben, unten, hinten ..." usw. Eine Weiterführung der Konversation habe ich mir geschenkt.
Etwas später Ähnliches, wieder Gmail-Adresse, diesmal mit Name und Adresse aus Nordschweden. Bitte um Fotos des Gerätes von allen Seiten usw., Video von mir mit dem Gerät, Video von mir mit meinem Reisepaß, Foto des Reisepasses. Amüsant. Eine Internetrecherche zeigt: es gibt tatsächlich jemanden mit Namen und Adresse wie angegeben. Der gute Mann ist anscheinend Amateurfunker und in einem entsprechenden Verein, arbeitet bei einer Softwarefirma. Also aus dem Internet zwei eMail-Adressen recherchiert, einmal vom Amateurfunkverein, einmal vom Arbeitgeber und eMails geschickt mit der Bitte um Weiterleitung an besagten Herrn, des Inhalts, er möge mir doch bitte kurz die Echtheit seiner Gebrauchtgeräteanfrage bestätigen, alternativ den Hinweis akzeptieren, daß man mit seinen Daten Schindluder treibe. Leider keine Antwort.
Nächster Fall: eine Vorstufe der Marke P. Um nicht ermüdend zu sein: diesmal ist es ein Herr Carl J. aus Santa Cruz de Tenerife. Die angegebene Adresse, Calle Irgendwas Nr. 6b, sieht auf Google Street View merkwürdig aus: eine Brachlandschaft, daneben ein abrißreifes Haus. Ein paar Fotos (mit Wasserzeichen/Logo) verschickt, dann Ruhe. Bemerkens- und berichtenswert ist dieser Fall aus dem folgenden Grund: einige Zeit später erhielt ich den Anruf eines Herrn, er sei in Verhandlung mit einem Anbieter aus Spanien für eine Endstufe der Marke A., habe von diesem Fotos erhalten und dann von einem Bekannten gehört, daß diese ihm (dem Bekannten) bekannt vorkämen. In der Tat, u.a. war es ein Foto aus meiner Anzeige, ein Foto der Rückseite mit Seriennummer, leicht unscharf, und die EXIF-Daten waren identisch. Andere Fotos habe er auch von dem Anbieter bekommen, berichtete der Anrufer, und siehe da: es waren die Fotos, die ich Monate zuvor an John/Peter aus Birmingham verschickt hatte (wieder identische EXIF-Daten, die Jungs machen sich die Sache wirklich leicht). Der Anbieter habe eine Kontonummer und eine Adresse in (wieder mal) Santa Cruz de Tenerife genannt, eine Calle Sowieso Nr. 11. Google Street View zeigt nur die Nachbarhausnummer 13, ansonsten wilde wüstenartige Landschaft, außerhalb von Santa Cruz. Nicht unbedingt eine Behausung, in der man eine hochpreisige High-End-Kette dieses Kalibers vermuten würde. Außerdem sei tatsächlich ein Foto von einem Reisepaß mitgeschickt worden... Da sich besagtes Gerät aber mittlerweile bei einem Käufer in Osteuropa befindet und ich mit diesem korrespondiere, ist klar, das ist alles nur Fake, und das Reisepaßfoto zeigt einen Bedauernswerten, der den Gaunern früher mal auf den Leim gegangen ist. Das Konto mit der angegebenen Kontonummer bei der Madrider Liberbank, die übrigens gar keine Filialen auf Teneriffa hat, dürfte auf einen anderen Namen lauten und bald abgeräumt und dichtgemacht werden. Die Polizei damit beschäftigen...? Naja, dazu habe ich auch eine Meinung.
Eine kurze Umfrage bei Kollegen: die haben Ähnliches zu erzählen. Meine Fotos versehe ich jedenfalls mit aufdringlichem und unentfernbarem Wasserzeichen/Logo. Private Daten? Selbstverständlich nicht.