Ich mag es gerne aufgeräumt – das ist für mich der unmittelbar wahrnehmbare Sinn von Minimalismus am Computer.
Desktops mit unzähligen bunten Icons finde ich verwirrend – wo ist denn schon wieder XYZ? – oder schlicht nervtötend. Das gilt für sämtliche Betriebssysteme, mit denen ich mehr oder weniger gerne zurechtkomme. Apple ist für die schicken Doofen, die sich ums Dahinter nicht kümmern; Windows für Masochisten, die ihre persönlichen Daten ohnehin freiwillig preisgeben.
Sichtbar an meinem Computer sind nur diejenigen Objekte und Projekte, an denen ich gerade arbeite. Ohnehin bin ich Kind der Tastaturzeit, wo Programme wie der Norton Commander die wichtigste Unterstützung boten. Soweit möglich meide ich das Mauszeugs. Wenn es nicht auf Geschwindigkeit und Performance ankommt wie bei der Videobearbeitung, läuft ohnehin das meiste über schnell austauschbare virtuelle Maschinen. Flugs ist ein jungfräulich neues Betriebssystem aufgesetzt und dies und jenes ausprobiert.
Jenseits profaner Angelegenheiten wie Umsatzsteuervoranmeldungen auf Grundlage von Calc-Spreadsheets – die selbstverständlich auf separaten Partitionen ohne weiteres Schnickschnack laufen – sind es gegenwärtig die Pflege bestehender und der Entwurf neuer Internetauftritte, die mit Visual Studio Code und voraussichtlich Kirby realisiert werden.
Zentral zum Wohlbefinden sind minimal invasive Programme. Neben LibreOffice gibt es Min als Browser, Double Commander als Dateimanager und – ja, doch – Thunderbird für eMails. Tor und VPN laufen im Hintergrund als Reserve.
Auf dem Desktop prangt ein Hintergrundbild von UGC 2885, einer Riesengalaxie, deren schiere Ausdehnung einerseits und die in der Tiefe verschwindenden Nachbargalaxien andererseits zur bescheidensten Demut mahnen. Der zweite Monitor leuchtet einfach nur dunkelblau – beruhigend für die Augen, ebenso wie die Kombination aus Chamois für Papier und Braun für Tinte beim Schreiben per Hand. Dort prangt die Vorschau.
Für Texte gibt es ein Programm namens X10, das schlicht Bernstein auf Schwarz auf den Bildschirm bringt – so wie damals die Herculeskarte –, ohne Buttons, ohne Ribbons, ohne Garnix. Nur Text. Ohne weitere Ablenkung konzentriert man sich auf den Inhalt, also das, was man sagen will. Die Garnierung kommt danach.